Asien: Silvester ganz exotisch

3960.drache.jpgKnallende Korken, Bleigießen, Marzipanschweinchen und gute Vorsätze – das sind die Zutaten für ein gelungenes Silvester. In Asien aber sieht Neujahr ganz anders aus. Dort tanzen die Drachen, Buddha nimmt ein Bad und Touristen werden nass gespritzt. Auch wenn nicht überall die Partys am 31. Dezember steigen, festlich geht es beim Jahreswechsel immer zu.

In Taiwan bestimmt der chinesische Mondkalender, wann ein neues Jahr beginnt. Vor dem Fest im Februar ist noch viel zu tun: Alte Schulden müssen beglichen, neue Kleider gekauft und das Haus geputzt werden. Bei einem ausgiebigen Gelage feiert die Familie ins neue Jahr hinein. Am Besten trifft es die Kids: Sie bekommen so genanntes Glücksgeld – überreicht in roten Umschlägen. Am Neujahrstag gibt’s für die Ahnen rituelle Gaben: Obst, Reis und Gemüse. Auch den Göttern zollen die Taiwanesen Respekt. Danach aber kann die Party steigen. Überall werden Feuerwerksköper angezündet und die traditionellen Drachen- und Löwentänze aufgeführt.

Offiziell beginnt in Thailand das Jahr am 1. Januar. Aber das traditionelle Neujahrsfest Songkran – eine typisch thailändische Mischung aus ernsthaftem Ritual und ausgelassenem Volksfest – steht erst Mitte April auf dem Eventkalender. Für die Buddhastatuen gibt es dann Opfergaben und ein erfrischendes Bad mit Weihwasser. Alle thailändischen Heime werden einem ausgiebigen Hausputz unterzogen. Den älteren Familienmitgliedern zeigt man an diesen Tagen seine Hochachtung durch zeremonielle Handwaschungen und kleine Geschenke. Im Freien locken Paraden und Schönheitswettbewerbe. Und eine Wasserschlacht: Die Menschen bespritzen sich gegenseitig und haben jede Menge Spaß dabei. Beliebte Opfer der “Reinigungs”-Attacken sind ausländische Touristen. Besonders prunkvoll wird Songkran in Chiang Mai begangen.

An Neujahr ? Oshogatsu – haben in Japan selbst die großen Firmen mindestens drei zusammenhängende Tage geschlossen sind ? im Land der fleißigen Arbeitsbienen purer Luxus. Auch hier gilt: Wer rein und unbelastet ins neue Jahr starten will, begleicht Schulden und gibt Geliehenes zurück. Knusperhäuschen auf asiatisch: Wohnungen werden mit kunstvollen Gestecken aus geflochtenem Stroh, Farnblättern, Reiskuchen und mit mandarinenähnlichen Früchten dekoriert. Obligatorisch sind auch Schrein- und Tempelbesuche. Für den Besuch im Gotteshaus machen sich die Frauen besonders schön und ziehen ihre aufwändigsten Kimonos an.

In Korea macht man an Neujahr auf Familie. Zusammen wird nach Herzenslust geschlemmt. Die Zeit vertreiben sich die Verwandten mit überlieferten Gesellschaftsspielen. Nach alter konfuzianischer Sitte verbeugt man sich am 1. Januar vor seinen Eltern, Großeltern und Ahnen. Gelenkigkeit ist bei dieser kunstvollen Übung ein Muss: Denn die Stirn sollte den Boden berühren. Die Akrobatik lohnt sich für die Kinder: Es gibt Geld. Tags darauf besuchen die Koreaner Menschen, denen sie zum Dank verpflichtet sind. So machen sich Studenten zu ihren Professoren oder Arbeiter zu ihren Meistern auf den Weg.

Das kulturelle Erbe von Portugal und Asien spiegelt sich in Macau wider. Die Einwohner freut es. So haben sie gleich doppelt Grund zu feiern: An Silvester und im Februar anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes. Das westliche Silvester feiern vor allem junge Leute in den Diskotheken. Böse Geister werden zu beiden Anlässen lautstark mit an langen Schnüren aufgereihten Knallfröschen vertrieben. Bei den dreitägigen Feiern zum chinesischen Neujahr pilgern alle zum A-Ma Tempel und stellen sich unter ein ausgesuchtes Fenster. Durch dieses kommt das Glück herein, das dann auf die Anwesenden übergeht.

Auf den katholisch geprägten Philippinen begrüßen alle Verwandten zusammen im Haus des ältesten Familienmitgliedes das neue Jahr. Jeder bringt eine besondere Speise für das Abendessen “Media Noche” mit. Außerdem ist es Sitte, an Silvester etwas Rundes am Körper zu tragen – sei es eine Perlenkette, ein katholischer Rosenkranz oder nur ein rundes Muster auf der Kleidung. Um Mitternacht lassen Großmütter und Tanten Münzen auf die Besucher regnen und versuchen so, einen Geldsegen fürs kommende Jahr herauf zu beschwören.

(ecada/Camilla Härtewig)