Lappland: Winterweiße Wälder
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Es gibt nicht viele Plätze auf dem Globus, an denen es so still ist im Winter. Sechs Monate lang scheint hier die Sonne nicht. Die arktische Märchenlandschaft im Norden Finnlands, Heimat von Elch und Bär, ist fast menschenleer und in blau-weißes Dämmerlicht getaucht.
Das atemberaubende Phänomen heißt “Kaamos”. Nur der Mond und die funkelnden Sterne erhellen die watteweißen Wälder und zugefrorenen Seen Lapplands. In klaren Nächten flackern Nordlichter in sanftem Lila oder Violett. Das himmlische Farbenspiel zeichnet jeden Umriss frostscharf nach. Nach altem Glauben der Samen erscheint das Polarlicht, wenn ein Fuchs mit seinem Schwanz eine funkensprühende Furche in den Schnee schlägt. Das Volk der Samen – früher wurden sie Lappen genannt – gilt als einzige ursprüngliche Volksgruppe in der gesamten Europäischen Union. Vermutlich siedelten sie sich bereits in der Bronzezeit in Skandinavien an.
Wer zum Polarkreis will, darf Einsamkeit nicht fürchten. Finnisch Lappland ist etwas für gefestigte Seelen – für Bücherleser, Nachdenker, Klarluftbegeisterte und Skifahrer. Der Schnee ist pulvrig fein und eine Sportunterlage der Extra-Klasse – fjällauf und fjällab. Die Skigebiete sind so weitläufig, dass einem manchmal für Tage niemand in die Quere kommt. Schließlich leben auf jedem der knapp 99.000 Quadratkilometer rechnerisch etwas mehr als zwei Menschen – die Rentiere sind in der Überzahl.
Vor allem Langlauf-Fans finden paradiesische Bedingungen. Auf Tausenden Kilometern Loipen schwerelos dahingleiten – unendliche Weiten, die zivilisierte Welt weit weg. Entschleunigen, der Unruhe des digitalen Zeitalters ein Schnippchen schlagen. Zu sich finden. So extrem wie die Stille ist auch das Klima. An manchen Tagen fällt das Thermometer bis auf minus 40 Grad Celsius. Klirrende Grade, die auf Grund der extrem trockenen Luft aber nicht so kalt erscheinen.
Dennoch ist die abendliche Heimkehr in die Blockhütte eine Wohltat. Am prasselnden Kaminfeuer und bei traditionellen finnischen Mahlzeiten – Pfefferkuchen, Hammel und Steckrübenkasserolle – werden müde Geister wieder lebendig. Perfekter Ausklang: Der Besuch einer finnischen Sauna. Im ganzen Land gibt es rund 1,6 Millionen dieser Schwitzhütten – selbst in den entlegensten Gebieten. Bei mehr als 100 Grad wird Hitze getankt, um sich anschließend im frischen Pulverschnee zu wälzen.
(ecada/Fausto Bimbi)